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Das Schwindel mit dem 'Da Vinci Code'
Dies war vor 67 Jahren im Radio zu hören, als das von Orson Welles produzierte Hörspiel "Krieg der Welten" 1938 ausgestrahlt wurde. Die Außerirdischen hätten damals beinahe die Welt eingenommen, wie wir wissen. Über zweieinhalb Millionen Amerikaner glaubten, daß es sich um eine wahre Begebenheit handelte. Es führte allgemein zu einem gewaltigen Schrecken. Viele Leute räumten sogar ihre Wohnungen, und einige unternahmen einen Selbstmordversuch. "Lieber so sterben als durch deren Hand." Die originale Rundfunksendung war ganz im Stil eines Nachrichtenreports gestaltet und unterschied sich sehr von den üblichen Hörspielen im Jahre 1938 und versetzte die Leute in den irrigen Glauben, daß die Geschehnisse tatsächlich vor sich gingen. Meine Mutter war damals ein Kind, als sie es im Radio hörte und erinnert sich, "Die Leute waren zu Tode erschrocken". Es ist leicht, sich 67 Jahre später klüger vorzukommen. Fortschritte in der Telekommunikation, wie im Fernsehen und im Internet halten uns auf dem Laufenden. "Die Leute waren damals in jeder Hinsicht leichtgläubiger. Dan Browns Bestseller vom letzten Jahr "The Da Vinci Code" zu deutsch "Sakrileg" ist im Grunde eine Neuausgabe vom "Krieg der Welten". Natürlich kann jedermann mit ein bißchen Hausverstand erkennen, worum es sich bei diesem Roman handelt. Aber so wie es damals Leute gab, die an den "Krieg der Welten" glaubten, so gibt es heutzutage Leute, die an den "Da Vinci Code" glauben. Was also ist der Unterschied zwischen dem "Krieg der Welten" und dem "Da Vinci Code"? - Der CBS-Rundfunk brachte zeitweise zwischendurch während der Sendung die Meldung, daß es sich um eine Hörspielsendung handelt. Es lag nicht in der Absicht des CBS-Rundfunks, die Leute in den irrigen Glauben zu führen, daß es hiebei um eine wahre Begebenheit geht. Dan Brown tut offensichtlich das Gegenteil. Seine "Chronik der Fakten" z.B. am Anfang des Romans versichert den Leser der sorgfältigsten Recherche und bestätigt die tatsächliche Existenz der handelnden Geheimbünde und Verbände und die Beweise durch Urkunden und Rituale. Diese 'Chronik' für sich allein erweckt bereits den Eindruck, daß der Inhalt des Buches gewissenhaft erforschte, historische Begebenheiten wiedergibt. Aber dem ist ganz und gar nicht so.
Browns Hauptargument, daß Jesus nur Mensch war, ist weder durch die Schriften noch durch die Vernunft zu begründen. Die Gottheit Christi wurde bereits vom ersten Jahrhundert an schon immer gelehrt und bezeugt durch die Kirche seit ihrer Gründung. Das Didiche, also der Katechismus der Lehre durch die Apostel, das im frühen zweiten Jahrhundert entstanden war, nannte Christus den Herrn, den Gott Davids und Sohn Gottes. Der heilige Athanasius verteidigte die Gottheit Christi gegen die arianische Irrlehre am Konzil von Nikäa im Jahre 325 nach Christus. Die Arianer glaubten, daß Christus nur eine Natur hatte, nämlich die menschliche. Athanasius führte sowohl durch die Schrift als auch philosophische Schlußfolgerung aus, daß Christus Gottvater gleichwertig sein muss. "Ich bin, der Ich bin", nannte sich Gott, als er Moses im brennenden Dornbusch anredete. Christus wies mit denselben Worten auf sich hin: "Ehe Abraham wurde, bin Ich" (Joh 8:58). Viele andere Stellen im Neuen Testament bezeugen die Gottheit Christi. Die Behauptung, daß Jesus erst durch Kaiser Konstantin bei selbigem Konzil in Nikäa göttlicher Status verliehen wurde, ist durch einen kurzen Blick auf die Geschichte leicht widerlegbar. Zur Zeit als das Konzil stattfand, war Konstantin noch nicht einmal Christ geworden, und weil er noch keinerlei Unterweisung im Glauben erhalten hatte, eher auf Seiten Arius'. Da jedoch Konstantin ganz klar die göttliche Autorität seitens der Kirche erkannte, hatte er gar keine andere Wahl, als die Lehre des Konzils anzunehmen. Dies läßt auch Browns Behauptung, daß die Bibel durch Kaiser Konstantin zusammengestellt und herausgegeben wurde, um seine persönlichen Ansichten über die Gottheit Christi zu untermauern, unglaubwürdig erscheinen. Außerdem verfügen wir über sowohl christliche als auch nicht-christliche Urkundenbelege aus dem ersten und zweiten Jahrhundert, daß das Neue Testament bereits vor konstantinischer Zeit existierte. Der heilige Irenäus schreibt im zweiten Jahrhundert, daß es nur vier Evangelien gibt, nämlich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Heiden Marcion (92 - 153 n. Chr.) und Basilides (62 - 133 n. Chr.) hielten diese vier Evangelien für apostolisch und echt. Celsus, ein heidnischer Philosoph des zweiten Jahrhunderts stellte die Urheberschaft der Frohbotschaft durch die Evangelisten niemals in Frage. Auch haben wir Fragmente aus vorkonstantinischer Zeit. Brown behauptet auch, daß die Kirche die wahre Lehre Christi über die Frau verdrängt. Er schreibt, dass in den Ur-Evangelien nicht Petrus sondern vielmehr Maria Magdalena die Kirche zu leiten übertragen war. Brown begründet dies auch und zwar auf recht saloppe Art. Es gibt keinerlei Beweis hiefür außer einem, wie er meint, versteckten Hinweis in Da Vincis "Letztem Abendmahl". Nachdem ich das "Letzte Abendmahl" selbst noch einmal näher überprüft habe, ist mir klar, daß Browns sogenannter versteckter Hinweis seiner blühenden Fantasie entspringt. Sieht der heilige Johannes wirklich Maria Magdalena so sehr ähnlich? Sieht der heilige Petrus nach einem Messerangriff auf sie aus? Nichts dergleichen. Man möge nur selbst prüfen. Keine Magdalena. Johannes wird üblicherweise mit Bart dargestellt. Petrus legt seine Hand auf Johannes' Schulter. In seiner anderen Hand hält er ein Messer, wie es bei Tische üblich ist. Er fragt Johannes offensichtlich nach dem Namen des Verräters, wovon Jesus beim Abendmahl prophetisch spricht. Vielleicht umklammert er das Messer, um Jesus aus einer unbestimmten Verteidigungshaltung heraus vor Gefahr zu schützen. Natürlich können wir das nie ganz genau wissen. Was Da Vinci tatsächlich vorhatte, bleibt unserer Fantasie überlassen. Browns Fantasie scheint eine blühende. Die Verse nach Matthäus 16:18 haben hingegen Gültigkeit: "... und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen..." Weiters behauptet er, daß es einen Geheimbund namens Priorei von Zion gibt, der noch immer Maria Magdalena als Göttin verehrt und die Wahrheit aufrechtzuerhalten sucht. Die Priorei von Zion war im Grunde ein böser Bubenstreich, den vier Kameraden ausheckten, die 1950 einen kleine Verein gründeten. Nach einem Hügel in Frankreich (nicht in Palästina) benannt, wurde der Verband 1956 amtlich eingetragen und rühmte sich uralter Abstammung seit Kreuzfahrerzeiten und insgeheim königlichen Geblüts. Einer der Kameraden, Patrice Pelat erhob Anspruch auf Frankreichs Thron und stellte sich schließlich als Hochstapler heraus. Im Jahr 1953 wurde er in Frankreich wegen "Vertrauensbruchs" und später wegen Bestechung verurteilt. Vor seinem Tod gab er zu, alles frei erfunden zu haben. Tatsächlich galt von Seiten der katholischen Kirche in der Nachfolge Christi, ihres Gründers der Frau immer besondere Bewunderung und Verehrung. Christus brach das geltende jüdische Gesetz, demgemäß es verboten war, mit Frauen in der Öffentlichkeit zu sprechen. Es war eine Frau (am Brunnen), der er als erster zu erkennen gab, daß er der Messias sei. Es waren mehr Frauen als Männer am Fuße des Kreuzes. Jesus erschien zuerst einer Frau nach seiner Auferstehung. Frauen gaben als Märtyrerinnen ihr Leben hin für die geliebte Kirche. Sie sind noch immer in höchster Wertschätzung von Seiten der Kirche. Wir nennen ihre Namen in der heiligen Messe: Agnes, Cäcilia, Anastasia, Agatha, Lucia. Es gibt mehr heiliggesprochene Frauen als Männer. In ihrer gesamten Geschichte wurde die katholische Kirche der Vergöttlichung der heiligen Jungfrau Maria beschuldigt. Das stimmt zwar nicht, beweist aber, daß die Kirche nicht das wahre Weibliche verdrängt. Browns weitere Anklagen verdienen nicht einmal, daß man ein Wort darüber verliert:
Man braucht sich als Katholik gegen solcherlei Absurdität nicht einmal zur eigenen Verteidigung aufgerufen zu fühlen. Die Beweislast liegt eindeutig am Ankläger und nicht am Angeklagten. Brown kommt dieser Verpflichtung zur schlüssigen Beweisführung zwecks Untermauerung seiner Behauptungen jedoch nicht nach, da er keinerlei Beweise hat. Nichtsdestotrotz zeigt er weiter mit dem Finger auf die Kirche. Das ist ebenso lächerlich wie jener Mann in Rußland, der die NASA auf Millionen Dollar Schadenersatz klagen möchte, da die NASA sein Horoskop ruiniert, indem sie den Kometen teilweise zum Bersten gebracht, und somit sein persönliches astrologisches Schicksal umgeworfen hätte. Soll sich die NASA nun gegen eine solche Anschuldigung verwehren? Ich habe den 'Da Vinci Code' innerhalb einer Woche gelesen, damit ich diesen Artikel verfassen kann. Ich fand ihn straff aufgebaut mit zahlreichen Verflechtungen und Wendungen, um die Spannung möglichst zu steigern. Aber trotz alledem fand ich ihn recht mittelmäßig. Ich würde ihn als Abenteuerroman der seichteren Kost bezeichnen. Es ist ein allzu einfaches Rezept: 1. Held stolpert über geheime Nachricht; Aufzeichnungen über einen vergrabenen Schatz z.B. 2. Held findet den Schatz. 3. Held versucht, den Schatz zu verstecken oder in vertrauenswürdige Hände zu legen. Viele Autoren und Filmemacher haben sehr erfolgreich versucht, diesen Stoff umzusetzen. Die Indiana Jones Serie und die Clive Cussler Romane sind ein gutes Beispiel hiefür. Trotz dieses einfachen Rezepts meint es Brown als Autor offenbar zu gut mit seinem Roman, indem er ihn überlädt mit Unmengen von unbewiesener Spekulation und geöffneten Pandora-Büchsen, sodaß der Leser schlußendlich mit einem chaotischen Konvolut, das sich zu guter Letzt wie beiläufig als Widerspruch der ganzen Handlung herausstellt, alleingelassen ist. Das Buch handelt von einem Helden, der einer wilden, actionreichen, spannungsgeladenen Jagd nach der Wahrheit über den heiligen Gral ausgesetzt ist (der jedoch nicht der Kelch ist, den Christus beim Letzten Abendmahl verwendet hat, sondern Maria Magdalenas Gebeine enthält) ohne von jenen (nämlich den Meuchelmördern des Opus Dei), die das Geheimnis bewahren möchten, getötet zu werden. 95 % der Handlung des Buches entwirrt sich. Wenn der Höhepunkt der Fabel schließlich erreicht ist, wird die Geschichte um das Geheimnis des heiligen Grals zuletzt fallengelassen und bleibt wiederum unter geheimem Verschluß. Das was als Wahrheit galt, war letztendlich nicht so wichtig. Zumindest nicht für Brown, scheint's. Brown wollte sein Geheimnis loswerden, da kam ihm halt auch die Story abhanden. Er setzte auf die hypnotische Wirkung des Geheimnisses, sodaß die Leser die literarische Form schließlich nicht weiter beachten würden. Leider scheint die Rechnung aufgegangen zu sein. Was war Die erste Annahme liegt wohl darin begründet, daß Browns Buch über ein Jahr lang jede Woche auf der Bestsellerliste der New York Times war, demgemäß sich der "Da Vinci Code" seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2004 über 25 Millionen mal zu 7,50 Dollar pro Exemplar verkauft hat, was einen Nettogewinn von 187,5 Millionen Dollar macht. Hinzu kommt, daß Brown die Filmrechte um 6 Millionen Dollar hergegeben hat. Der Film soll im Sommer 2006 herauskommen. Viel mehr Gewinn ist noch aus der Bühnenversion in etwa einem Jahr zu erwarten. Brown versteht sich darauf, Spannung zu erzeugen, aber nicht aufs akribische Recherchieren. Die Forschungsarbeit, die er angeblich betrieben hat, um das Buch zu schreiben, ist zweifelhaft. Ein gutes Beispiel hiefür ist die Charakterisierung des Opus Dei. Jedermann, der auch nur ungefähr über das Opus Dei Bescheid weiß, erkennt die oberflächliche, scheuklappenartige Beschäftigung damit durch Brown. Opus Dei-Mitglieder sind weder Mönche, noch kleiden sie sich im Habit. Wenn nun Browns Buch fehlerhaft ist, wie konnte er damit so viel Geld machen? Seine beiden früheren Werke "Deception Point" (deutsche Ausgabe "Meteor") und "Digital Fortress" (deutsche Ausgabe "Diabolus") erwiesen sich nicht als Verkaufsschlager. Erst jetzt nachdem sich der "Da Vinci Code" als Erfolg herausstellt, gelangen sie wieder auf die Verkaufsregale. Brown holt alles heraus und schlägt Kapital aus der antikatholischen Welle, die die USA und Europa überschwemmt. Er und sein Verleger Random House wußten nur zu gut, welche Art von Buch ankommt. Katholikenfeindliche Literatur hat schon immer solchen Zeitgeist-Verlegern entsprochen. Autoren wie Fr. Andrew Greeley, der schwülstige Sexromane verfaßt, und John Cornwell, der gegen das Papsttum anschreibt, füllen eine bestimmte Nische bei liberal eingestellten Verlagshäusern, die sich nach dem Bedarf der Massen richten. Brown und Random House nahmen diese einträgliche Einkommensquelle wahr, indem sie mitschwammen. Von da an erschien ein Wust an ähnlichen Büchern, die auf das schnelle Geld aus waren, indem man antikatholische Rhetorik ausspie. Titel wie die Päpstin, die Tempelritter, die verschlüsselte Frohbotschaft, die Offenbarung durch die Tempelritter, Geheimer Code, Messianisches Vermächtnis, Erkenntnis der Frohbotschaft etc. lassen auch die Kasse klingeln. Sogar Browns Vorläufer des "Da Vinci Codes" "Illuminati" ist nach demselben Muster gestrickt: Je mehr man auf die Kirche draufdrischt, desto mehr läßt sich damit verdienen. Die zweite Annahme, nämlich die Kirche zu diskreditieren und den christlichen Glauben der Menschen zu erschüttern, liegt wohl offen da. Brown ist auf den Zug der antikatholischen Bigotterie, die sich in den USA und in Europa als derzeit vorherrschender Zeitgeist breitmacht, aufgesprungen. Man läßt keine Gelegenheit ungenützt, die katholische Kirche in Verruf zu bringen. Der Katholizismus und die christliche Kultur sind schließlich als einzige Religion übriggeblieben, die man in aller Öffentlichkeit durch den Schmutz ziehen kann. Sie wird ununterbrochen besudelt, angezweifelt, verspottet und verleumdet - und das noch dazu völlig ungestraft. Von Theaterstücken über Ausstellungen moderner Kunst, Literatur, Filmen, Fernsehprogrammen, Nachrichten und Zeitungsartikeln und so weiter und so fort spuckt alles schamlos haßerfüllt auf die Kirche. Es war Voltaire, der sagte: "Lügen, Lügen, nichts als Lügen, etwas wird schließlich hängenbleiben." Und war es nicht Hitler, der meinte: "Je größer die Lüge, desto mehr Leute werden daran glauben"? Genau danach handelt der "Da Vinci Code". Das Buch trieft vor Ungenauigkeiten, Halbwahrheiten und unverhohlenen Lügen, daß so mancher Leser schließlich aufgibt und den Rückzug vom virtuellen Ansturm antritt. Es gibt so viele nicht-praktizierende und laue Katholiken, die weder über die Ausbildung noch das Duchhaltevermögen verfügen, um dem antikatholischen Dauerbeschuß standzuhalten. Dann gibt es jene, die immerzu nach neuen Ausreden suchen, die katholische Kirche zu kritisieren oder im Stich zu lassen, eher aus persönlichem Widerspruch zur herrschenden kirchlichen Lehre als aus anderen Gründen. Sehr oft handelt es sich hiebei eher um eine Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Sexualmoral als der Theologie. Darunter sind viele, denen die Schläge und die Haßtiraden gegen die Kirche ziemlich egal sind. Merkwürdigerweise sind es genau diese, die gewöhnlich als erste für die Rechte der Minderheiten eintreten. Hätte man den "Da Vinci Code" den "Yehuda Amichai Code" [1] genannt, in dem ein Geheimcode verriete, daß Moses geistig zurückgeblieben und Hitler der wahre Prophet unserer Zeit wären, so hätte es einen wahren Aufschrei gegeben, und wäre zu Recht gerichtsanhängig geworden, und mit Yehuda Amichais Karriere wäre es wohl ein für allemal vorbei gewesen. Laut den UPI News hat einer von fünf Kanadiern den "Da Vinci Code" gelesen, wovon einer von dreien daran glaubt, daß Jesus' Nachfahren unter uns weilen, und daß es einen Geheimbund zum Zwecke der Vertuschung der Existenz seiner Blutsverwandten gibt. Offenbar ist Browns Buch ein wirksames Werkzeug den Glauben zu zerstören, zumindest in Kanada. Ich glaube, daß die dritte Annahme, warum das Buch geschrieben wurde, der wahre Beweggrund hiefür ist: New Age/Gnostizismus zu fördern. Dabei handelt es sich um eine Philosophie, die die Aneignung von "gnosis", also innerer Erkenntnis vorantreibt, einer Erkenntnis, die strenggenommen nicht intellektuell vor sich geht, sondern sozusagen auf mystische Weise; nicht eine außerhalb unseres Selbst losgelöste Erkenntnis, sondern einer Erkenntnis, die bei Aneignung und Teilhabendwerdung innerhalb unseres Selbst liegt. Es handelt sich um eine mystische esoterische Erkenntnis der letzten Wahrheit, die uns zur Göttlichkeit unseres Selbst führt. Diese Erkenntnis liegt jedoch nach außen hin verschüttet durch Unwissenheit, Angepaßtheit und Religion, will heißen: außerhalb unseres eigentlichen Selbst (das es zu ergründen gilt), außerhalb einer Quelle, wie z.B. Gott. Die Massen haben an dieser inneren Erkenntnis nicht teil. Nur einigen wenigen, handverlesenen Eingeweihten ist ihre Heilswirkung zugänglich. Bei diesen handelt es sich um die sogenannten Gnostiker, Wissenden oder New Agers. Die eigentliche Botschaft in Browns Buch lautet, daß es noch eine zweite Geschichte und Wahrheit gibt, anders von jener, die man uns überliefert und bewahrt hat. Brown will uns weismachen, daß wir uns den Staub aus der überholten christlichen Religion abschütteln und die wahre Religion annehmen müssen, die da ist das ehemalige Heidentum aus alter, alter Zeit. In Wirklichkeit ist das Buch bestrebt, aufzudecken, daß man die alte heidnische Religion geheimhält, damit nur wenige Auserwählte davon Kenntnis haben. Das wiederum ist im Grunde genaugenommen was New Age/Gnostizismus bedeutet. Zu guter Letzt ist der "Da Vinci Code" urkomisch, allerdings auf Kosten der Katholiken. Wir Katholiken sollten uns mehr im Kampf um unseren Glauben einsetzen. Dazu müssen wir unseren Glauben besser kennen, um mit stichhaltigen Erklärungen bei jeder Gelegenheit aufwarten zu können. Die "Kontinuität" zielt darauf ab, uns gerade dabei hilfreich zur Seite zu stehen. Seien wir also gewappnet, wenn der Film "Der Da Vinci Code" nächstes Jahr herauskommen sollte. [1] Anmerkung des Übersetzers: Yehuda Amichai: israelisch-hebräischer zeitgenössischer Poet |