Evang. Pfarrer konvertieren zur kath. Kirche

Wenn der Priester Peter Gerloff in der katholischen Kirche von Westfeld im Bistum Hildesheim an den Altar tritt, um die heilige Messe zu feiern, dann sehen ihm nicht nur die Mitglieder der Pfarrgemeinde auf die Finger. Für seine Frau und seine Kinder steht Peter Gerloff noch einmal besonders im Rampenlicht. Der 38jährige Gerloff ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine Weihe hat eine Menge Trubel ausgelöst, der inzwischen längst wieder verflogen ist. Medienvertreter gaben sich die Klinke in die Hand, gingen im Pfarrhaus von Westfeld ein und aus. Als Gerloff einen Tag nach der Priesterweihe in seinem Wohnort die Primiz feierte, war der Norddeutsche Rundfunk über seine Hörfunksender live dabei. An diesem Tag endete für Peter Gerloff ein langer Weg, der nicht immer leicht war. Schon vor fast zehn Jahren machte er sich Gedanken darüber, was ihn, den evangelischen Pastor, an der katholischen Kirche so faszinierte. "Die Eucharistie hat schon damals eine enorme Anziehungskraft ausgeübt", erinnert er sich.

Gerloff versucht zunächst, in der evangelischen Kirche Veränderungen herbeizuführen. Er gehört der "Kontaktgruppe eucharistische Erneuerung" an, die in Anlehnung an altkirchliche Formen die Eucharistie für die evangelische Kirche wiederentdecken will. "Aber auf die Dauer wollte ich mich nicht daran beteiligen, aus dem Protestantismus etwas anderes zu machen, als er ist", begründet er den Schritt, den er seiner Familie erst behutsam beibringen muss.

Peter und Erika Gerloff schreiben im Februar 1990 aus Gelsenkirchen: "Warum ich mich für die Katholische Kirche entschieden habe, will ich wenigstens in zwei Sätzen andeuten. Es geschah gewiss nicht, um (in einem ungeistlichen Sinn) "glücklicher" zu werden, um vollere Kirchen, frömmere Menschen oder besser funktionierende Strukturen zu finden. Der Wendepunkt war vielmehr die Erkenntnis, dass alle Argumente, mit denen man der Katholischen Kirche ihren Anspruch streitig macht, in geschichtlicher Kontinuität d i e Kirche und damit (bei aller Erneuerungs- bedürftigkeit bis zum Jüngsten Tag) der Bezugspunkt für alle Einigungsbemühungen der Christenheit zu sein, zugleich Argumente gegen die Möglichkeit von "Kirche" überhaupt sind. Das gilt auch für den (heute unter Protestanten fast unbekannten) Anlass der abendländischen Kirchenspaltung, die Rechtfertigungslehre als isolierte, abstrakte Satzwahrheit. Positiv bedeutet das ein Aufatmen und Weitwerden der Seele beim Mitvollzug des verbindlichen und befreienden Ja, das in der Kirche lebt.

Lange genug hat es gedauert, bis aus dem ersten Aufdämmern dieser Erkenntnis Lebens- wirklichkeit werden konnte. Für Erika war es ein weiter Weg vom ersten kategorischen "Auf keinen Fall!" über ein widerstrebendes "Wenn es sein muss..." bis zum gelassenen "Einverstanden". Wenn wir da nicht an verschiedenen Knotenpunkten durch ganz verschiedene Menschen immer wieder den Impuls bekommen hätten, der gerade nötig war, wäre es vielleicht nicht weitergegangen. Gleichzeitig waren auch verschiedene Anläufe nötig, um über meine berufliche Zukunft Klarheit zu bekommen. Schließlich - auch dabei hatten "gute Geister" ihre Hand im Spiel - war der Weg ins Bistum Hildesheim frei.

Als Stichdatum für den Übergang zeichnete sich zunächst der 2. Februar ab. So fühlte ich mich Mitte Dezember verpflichtet, den Superintendenten und die Kirchenleitung in Bielefeld zu informieren. Ich wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst beurlaubt. Damit war ich - und das kurz nach den großen Adventsfeiern und kurz vor Weihnachten - für die Gemeinde mit einem Schlag nicht mehr vorhanden. Dieser ungünstige Zeitpunkt hat den Abschied, noch zusätzlich zur Unbegreiflichkeit der Konversion, überschattet. Nun sind wir froh, dies alles bald hinter uns lassen zu können." Fünf Jahre später wurde Peter Gerloff zum Priester geweiht.

"Sie wollen evangelischer Pfarrer werden? Ich bete für sie, dass aus Ihnen ein katholischer Priester wird", das sagte ihm eine über 90jährige Ordensfrau vor zwei Jahrzehnten im tschechischen Kloster Osek. Der Wunsch von Steffen Börner, Jahrgang 1960, eine evangelische Gemeinde zu leiten, ging mit seiner Ordination 1988 in Hermsdorf im Erzgebirge in Erfüllung.

"Bereits in der Lehrzeit war ich Kirchenvorsteher in meiner Dresdner Heimatgemeinde St. Markus", erzählt er. Nach seiner Ausbildung als Fachverkäufer mit Abitur und dem evangelischen Theologiestudium in Leipzig ging er für ein Semester nach Erfurt, um sein Wissen durch katholische Vorlesungen zu erweitern und am Leben im Priesterseminar teilzunehmen. "Mit einer Konversion hatte ich damals nichts im Sinn", lässt er wissen.

Als Steffen Börner am 25. Juni 1994 in der Kathedrale in Dresden die Priesterweihe empfing, waren die Gebete der längst verstorbenen Ordensschwester erhört worden. Für seinen Übertritt zur katholischen Kirche nennt er drei Gründe: Sein katholisches Verständnis von Eucharistie, Amt und Kirche; die für sein Empfinden zu weitgehende evangelische Pluralität in Glaubensfragen und seine Freude am zölibatären Leben. Nach einem Jahr in einer Bamberger Gemeinde und Studien in Kirchenrecht und Fundamentaltheologie konnte er endlich Priester im Bistum Dresden-Meißen werden. Vor kurzem hat er in Münster sein Lizentiat in Kirchenrecht abgeschlossen und ist jetzt Pfarrer in einer mittelsächsischen Kreisstadt.

Nachdem dann zum Jahreswechsel 2001/2002 meine Frau und ich zur katholischen Kirche übergetreten sind, ist etwa ein Jahr später der nächste evang.-luth. Pfarrer in Sachsen, H.-T. Golde, mit seiner Familie konvertiert. Er ist jetzt im Bistum Eichstätt tätig und darf dort - genauso wie ich im Bistum Dresden-Meißen - zum Priester geweiht werden.

Gottes Segen und herzliche Grüße
Stefan Thiel

Close window